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Islamische Bestattung in Deutschland — das Wichtigste
Rund 5,5 Millionen Muslime leben in Deutschland. Immer mehr Familien entscheiden sich dafür, ihre Verstorbenen nicht in die Heimat zu überführen, sondern hier in Deutschland nach islamischem Ritus zu bestatten. Das stellt besondere Anforderungen: Deutsche Bestattungsgesetze und islamische Vorschriften müssen in Einklang gebracht werden.
Dieser Ratgeber erklärt den kompletten Ablauf einer islamischen Bestattung in Deutschland — von der rituellen Waschung bis zum Grab. Wenn Sie sich alternativ für eine Überführung in ein muslimisches Land entscheiden, begleiten wir Sie ebenfalls.
Ghusl — die rituelle Totenwaschung
Die Ghusl-Waschung ist die erste und wichtigste Pflicht nach dem Tod eines Muslims. Der Verstorbene wird von mindestens einer Person gleichen Geschlechts rituell gewaschen — in der Regel dreimal mit Wasser und Kampfer. Die Waschung folgt einem festgelegten Ablauf: rechte Seite zuerst, dann linke Seite, immer in ungerader Zahl.
In Deutschland bieten viele Moscheen und islamische Gemeinden Waschräume an. Wir vermitteln zertifizierte muslimische Thanatologen, die die Ghusl nach allen islamischen Rechtsschulen korrekt durchführen.
Kafan — das Totengewand
Nach der Waschung wird der Verstorbene in den Kafan gewickelt — weiße, einfache Leinentücher. Für Männer werden drei Tücher verwendet, für Frauen fünf. Das Kafan symbolisiert die Gleichheit aller Menschen vor Allah. Parfüm oder Moschus werden auf das Tuch aufgetragen.
Beim Kafan werden weder Schmuck noch wertvolle Kleidung verwendet — der Islam betont die Schlichtheit im Tod. Die Tücher kosten in Deutschland zwischen 30 und 80 Euro.
Salat al-Janazah — das Totengebet
Das Totengebet (Salat al-Janazah) wird in der Moschee oder direkt auf dem Friedhof gesprochen. Es ist eine Gemeinschaftspflicht (Fard Kifaya): Wenn eine ausreichende Zahl von Muslimen das Gebet verrichtet, ist die Pflicht für alle erfüllt. Das Gebet wird im Stehen verrichtet und umfasst vier Takbirat (Lobpreisungen).
In deutschen Städten mit großer muslimischer Gemeinde wird das Totengebet in der Regel am selben Tag wie die Bestattung durchgeführt, oft in der örtlichen Freitagsmoschee.
Islamische Friedhöfe und Grabfelder in Deutschland
In vielen deutschen Städten gibt es islamische Grabfelder auf kommunalen Friedhöfen. Eigenständige islamische Friedhöfe existieren in Wuppertal, Berlin, Aachen und einigen weiteren Städten. Die Gräber sind nach Mekka ausgerichtet (Qibla-Richtung), und die Ruhezeit ist in der Regel unbefristet.
Berlin
Islamische Grabfelder auf dem Landschaftsfriedhof Gatow und dem Friedhof Columbiadamm. Sarglose Bestattung teilweise möglich.
Köln / Düsseldorf / NRW
NRW erlaubt sarglose Bestattung. Islamische Grabfelder in fast allen größeren Städten verfügbar.
Frankfurt / Hessen
Hessen erlaubt sarglose Bestattung seit 2012. Islamischer Friedhof in Frankfurt-Eckenheim.
München / Bayern
Islamisches Grabfeld auf dem Friedhof am Perlacher Forst. Sargpflicht gilt weiterhin in Bayern.
Sargpflicht, Wartefrist und rechtliche Besonderheiten
In Deutschland gelten je nach Bundesland unterschiedliche Bestattungsgesetze. Die wichtigsten Punkte für islamische Bestattungen:
Sargpflicht
In den meisten Bundesländern gilt Sargpflicht. Ausnahmen für religiöse Gründe: NRW, Bremen, Hessen, Berlin (teilweise), Niedersachsen.
Wartefrist
In Deutschland muss mindestens 48 Stunden nach dem Tod gewartet werden. Eine Bestattung am selben Tag ist nicht möglich — dies widerspricht dem deutschen Gesetz.
Ewiges Ruherecht
In den meisten Städten ist eine Verlängerung der Ruhezeit auf unbefristet möglich, was dem islamischen Grundsatz der ewigen Grabesruhe entspricht.
Ausrichtung nach Mekka
Auf islamischen Grabfeldern sind die Gräber standardmäßig nach Mekka (Südosten in Deutschland) ausgerichtet.
Kosten einer islamischen Bestattung in Deutschland
Die Kosten variieren stark je nach Stadt und Friedhof. Im Durchschnitt ist mit folgenden Posten zu rechnen:
| Leistung | Kosten |
|---|---|
| Ghusl-Waschung & Kafan | 200–500 € |
| Bestatterleistungen | 800–1.500 € |
| Grabkosten (25 Jahre) | 800–3.000 € |
| Gesamt | 2.000–5.000 € |
Wenn Sie stattdessen eine Überführung ins Heimatland wünschen, lesen Sie unseren Ratgeber zur Kostenübersicht für internationale Überführungen.
In Deutschland bestatten oder ins Heimatland überführen?
Viele muslimische Familien stehen vor dieser schwierigen Entscheidung. Eine Bestattung in Deutschland ist deutlich günstiger (2.000-5.000 Euro) als eine Überführung in die Türkei, Marokko oder Pakistan (2.500-5.000 Euro plus Bestattung vor Ort). Gleichzeitig ermöglicht die Bestattung in Deutschland den Angehörigen, das Grab regelmäßig zu besuchen.
Wir beraten Sie ehrlich und ergebnisoffen. Wenn Sie eine Überführung wünschen, lesen Sie unseren Artikel zur islamischen Überführung ins Ausland. Eine Vorsorgeplanung kann die Entscheidung in ruhigeren Zeiten vorbereiten.
FAQ: Islamische Bestattung in Deutschland
Die islamische Bestattung umfasst Ghusl (rituelle Waschung), Kafan (Einwicklung), Salat al-Janazah (Totengebet) und die Beerdigung auf einem islamischen Grabfeld. Die Bestattung erfolgt in Richtung Mekka.
In NRW, Bremen, Hessen, Niedersachsen und teilweise Berlin ist eine sarglose Bestattung aus religiösen Gründen erlaubt. In den übrigen Bundesländern besteht weiterhin Sargpflicht.
Zwischen 2.000 und 5.000 Euro — inklusive Ghusl, Kafan, Bestatterleistungen und Grabkosten. Deutlich günstiger als eine internationale Überführung.
Der Islam schreibt eine schnelle Bestattung vor. In Deutschland gelten jedoch Wartefristen von mindestens 48 Stunden. Eine Bestattung am 2. oder 3. Tag ist üblich.
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